26/11/2025
Rückkehr nach Syrien?
Laut UNHCR sind seit dem Ende des Assad-Regimes 1 Million Syrerinnen und Syrer aus dem Ausland nach Syrien zurückgekehrt. Tausende möchten gern in ihre Heimat zurückkehren.
Aber: Sie kommen in ein Land mit zerstörter Infrastruktur, 90 Prozent der augenblicklich in Syrien lebenden Bevölkerung sind auf Hilfe angewiesen.
Trotz großer Sehnsucht nach Heimat, Familie und Freunden herrscht daher große Unsicherheit: Ist meine Wohnung, mein Haus, mein Dorf, meine Stadt zerstört? Wovon kann ich leben und meine Familie ernähren, wenn ich zurückkehre? Wie kann ich herausfinden, was von meiner Heimat übrig geblieben ist? Reise ich nach Syrien, obwohl nicht sicher ist, ob ich wieder nach Deutschland einreisen kann?
„Go and see“, heißt das Konzept, das Geflüchteten erlaubt, sich einen Eindruck von den Zuständen in ihrer Heimat zu machen, ohne dass der Rückweg versperrt wird. Diese Möglichkeit würde vielen Menschen die Entscheidung erleichtern, eine Rückkehr ins Auge zu fassen. Die Bundesregierung lehnt diese Option im Vergleich zu vielen anderen europäischen Ländern allerdings ab. Das führt dazu, dass Geflüchtete, die keine deutsche Staatsangehörigkeit haben, mit der sie sicher zurückkehren können, erst gar nicht nach Syrien reisen. Das ist Gegenteil dessen, was sich die augenblickliche Regierung erhofft.
Sicher zurückkehren konnte Außenminister Wadephul. Als er sich kürzlich die Situation vor Ort in Syrien anschaute, war er erklärtermaßen schockiert über das Ausmaß der Zerstörung. Es sei nicht möglich, dort würdevoll zu leben, lautete sein Fazit. Mitglieder seiner Partei, die noch nie einen Fuß nach Syrien gesetzt haben, kritisierten ihn vom Schreibtisch aus dafür heftig, weil nicht sein darf, was politisch nicht gewollt ist.
Wenn man die Menschen wirklich dabei unterstützen möchte, in ihr Land zurückzukehren, dann muss man es menschlich angehen, ihnen Zeit lassen und ihnen ihre hier gewonnene Sicherheit nicht gleich beim ersten Grenzübertritt wieder nehmen. Sie unvorbereitet in ein zerstörtes Land zu schicken ist unmenschlich und kurzsichtig. Und es als patriotische Pflicht zu deklarieren ist einfach nur zynisch und platt.