26/06/2026
Meine Geschichte
Mein Name ist Khaled und ich wurde 1989 in Hama, Syrien, geboren. Schon als Jugendlicher lernte ich während der Sommerferien das Handwerk des Installateurs kennen und arbeitete in den Ferien im Bereich Sanitär, was meine spätere berufliche Laufbahn entscheidend prägen sollte.
2015 kam ich nach Deutschland. Bereits nach eineinhalb Monaten wurde mein Asylantrag anerkannt, und ich erhielt zunächst eine Aufenthaltserlaubnis für drei Jahre. Von Anfang an war mir klar: Wenn ich mir hier ein neues Leben aufbauen möchte, muss ich die Sprache lernen, die Kultur verstehen und auf die Menschen zugehen.
Noch bevor ich einen Platz in einem Sprachkurs bekam, suchte ich gezielt Orte auf, an denen sich Deutsche und Menschen unterschiedlicher Herkunft trafen. Mehrmals pro Woche verbrachte ich dort Zeit, sprach mit den Menschen, hörte ihnen zu und lernte von ihnen. Viele der Freundschaften, die damals entstanden, bestehen bis heute. Diese Menschen haben meinen Weg in Deutschland entscheidend geprägt.
Natürlich stand ich vor vielen Herausforderungen. Die deutsche Sprache war neu für mich, ebenso die Kultur und die gesellschaftlichen Regeln. Doch ich war entschlossen, meinen Platz in diesem Land zu finden. Ich setzte mir Ziele und verlor sie nie aus den Augen. Für mich gab es keine Abkürzungen - nur harte Arbeit, Ausdauer und Disziplin.
Nach etwa zweieinhalb Monaten lernte ich jemanden kennen, der mir die Möglichkeit gab, in meinem alten Berufsfeld praktische Erfahrungen zu sammeln. Schnell wurde mir bewusst, dass ich genau diesen Weg weitergehen möchte. Die Arbeit im Bereich Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik machte mir Freude, weil ich bereits in Syrien erste Erfahrungen gesammelt hatte und weil ich wusste, dass ich mich in diesem Beruf ständig weiterentwickeln kann.
Schon nach wenigen Wochen sagte mir mein Arbeitgeber, dass er großes Potenzial in mir sehe und mir einen Ausbildungsplatz anbieten wolle. Ich begann meine Ausbildung zum Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik und schloss sie erfolgreich als Geselle ab.
Die Ausbildungszeit war jedoch alles andere als leicht. Tagsüber arbeitete ich im Betrieb, zusätzlich besuchte ich die Berufsschule. Anschließend ging ich zum Sprachkurs und lernte bis in den Abend hinein Deutsch. Danach arbeitete ich noch in einer Reinigungsfirma, oft bis spät in die Nacht. Erst danach kehrte ich nach Hause zurück. Ich setzte mich selbst enorm unter Druck, weil ich wusste, dass ich meine Ziele nur durch außergewöhnlichen Einsatz erreichen konnte.
Mein erstes großes Ziel war jedoch ein anderes: Ich wollte meine Mutter und meine jüngeren Geschwister aus dem Krieg in Syrien in Sicherheit bringen. Während mein Körper in Berlin war, waren meine Gedanken oft bei meiner Familie. Durch die Unterstützung der Flüchtlingspaten Syrien und vieler engagierter Menschen gelang es schließlich, meine Mutter und meine Geschwister nach Deutschland zu holen. Dafür werde ich für immer dankbar sein.
Erst danach konnte ich mich vollständig auf meine berufliche Zukunft konzentrieren. Ich arbeitete weiter, lernte die Sprache und sammelte Berufserfahrung. Gleichzeitig erfüllte sich mein zweiter großer Wunsch: Ich lernte meine Frau kennen, und wir gründeten gemeinsam eine wundervolle Familie. Ohne ihre Geduld, ihr Verständnis und ihre Unterstützung hätte ich meinen Weg nicht gehen können. Während sie studierte und sich um unsere Tochter kümmerte, stand sie mir stets zur Seite.
Auch meine Geschwister fanden ihren Weg. Eine meiner Schwestern absolvierte erfolgreich eine Berufsausbildung. Meine andere Schwester lebt mit dem Down-Syndrom. Nach mehreren Jahren Schulzeit besuchte sie eine Werkstatt, erhielt einen Abschluss und arbeitet inzwischen in einem Café. Darauf bin ich sehr stolz. Nach einigen Jahren Berufserfahrung entschied ich mich, mein größtes berufliches Ziel zu verfolgen: den Meistertitel. Ich besuchte die Meisterschule in Vollzeit. Anfangs unterschätzte ich die Herausforderung. Nach zwei Wochen dachte ich zum ersten Mal daran aufzugeben. Doch Aufgeben gehörte nie zu meinem Leben.
Meine Frau und meine Freunde stärkten mir den Rücken. Sie glaubten an mich, als ich selbst zweifelte. Also entwickelte ich einen Plan: Unterricht von morgens bis nachmittags, anschließend Wiederholen und Vorbereiten des Lernstoffs bis zum Abend. Danach lernte ich in der Bibliothek oft bis spät in die Nacht weiter und schaffte tatsächlich, was einst wie ein unerreichbarer Traum erschien: Ich bestand die Meisterprüfung.
Heute bin ich Meister im Bereich Sanitär-, Heizungs und Klimatechnik. Mein nächstes Ziel ist die Selbstständigkeit und die Gründung eines eigenen Unternehmens.
Wenn ich auf die vergangenen zehn Jahre zurückblicke, sehe ich nicht nur meinen eigenen Weg. Ich sehe auch die vielen Menschen, die mich begleitet haben. Deutschland hat mir Schutz, Chancen und Perspektiven gegeben. Dafür empfinde ich große Dankbarkeit. Ebenso danke ich allen Lehrern, Kollegen, Freunden, Nachbarn und Unterstützern, die an mich geglaubt und mir vertraut haben.
Mit meiner Geschichte möchte ich Mut machen. Ich möchte zeigen, dass man mit klaren Zielen, harter Arbeit und Ausdauer sehr viel erreichen kann, unabhängig davon, woher man kommt.