13/05/2026
Die Spatzenhecke muss bleiben!
Warum es sich Berlin nicht leisten kann, noch eine Spatzenkolonie zu verlieren.
Die große Hecke auf dem Mittelstreifen der Manfred-von-Richthofen-Str. ist mehr als nur ein beliebiger Grünstreifen. Sie ist Lebensraum, Kinderstube und Schutzraum der letzten, stabilen Spatzenkolonie am Platz der Luftbrücke. Dass die Hecke überhaupt noch steht, ist nur dem Engagement von AnwohnerInnen, der AG Artenschutz und dem Einspruch der NaturFreunde zu verdanken. Im Oktober 25 hätte sie bereits vollständig gerodet werden sollen – mit einer Ausnahmegenehmigung der bezirklichen Naturschutzbehörde. Doch der Widerspruch dagegen hat lediglich eine aufschiebende Wirkung.
Rodung - ohne fachliche Kompetenz, ohne vorausschauendes Denken
In einer Antwort auf eine öffentliche Anfrage hieß es kürzlich, man wolle das Schnittgut der Hecke nach der Rodung „in der Nähe der Brutplätze“ ablagern. Zuvor sollte es noch weiter weg jenseits des Tempelhofer Damms deponiert werden.
Beides ist fachlich unhaltbar:
Schnittgut ersetzt keine Hecke, bietet so gut wie keinen Schutz, keine Nahrung und keine Struktur. Es ist allenfalls ein Feigenblatt, keine Ersatzmaßnahme.
Gleichzeitig hat sich der Spatzenbestand in Berlin in den letzten Jahren halbiert. Genau solche Verluste an Lebensräumen sind der Grund.
Ersatzpflanzungen kommen oft zu spät – oder gar nicht.
Selbst wenn später neue Sträucher gepflanzt werden: Sie brauchen Jahre, um die Dichte der bestehenden Hecke zu erreichen. Sie bieten anfangs kaum Insekten, die für die Jungenaufzucht unerlässlich sind und zu wenig Schutz. Mangels Pflege und Hitzestress vertrocknen sie oft – wie die Ersatzpflanzungen am Mehringdamm, die komplett eingegangen sind.
Die dortige Spatzenpopulation, einst über 300 Tiere, ist nach Heckenrodung und Rattenbekämpfung vollständig verschwunden. Das ist kein Einzelfall, sondern ein sich wiederholendes Muster.
Bis die in der Nähe des Platzes der Luftbrücke die in einer späteren Bauphase geplanten Neupflanzungen eine vergleichbare Dichte und Qualität erreichen, wäre es für die Spatzen mit ihrem kurzen Lebens - und Reproduktionszyklus zu spät. Ersatzmaßnahmen müssen lange im Voraus geplant und vollzogen werden, um wirksam zu sein.
Wofür soll die Hecke weichen? Für ein Verkehrsprojekt, das auch anders zu verwirklichen wäre. Die Hecke soll verschwinden, um die Manfred-von-Richthofen-Straße leicht zu verlegen und die Mittelinsel zu versiegeln. Dabei könnte die Straße verkehrsberuhigt werden mit dem Erhalt der Hecke. Eine Erarbeitung von Alternativvorschlägen wurde von den SpatzenfreundInnen extern angefragt.
Eine künstlich angelegte „Schwammstadt“ bei gleichzeitiger Kappung der natürlich vorhandenen Ressourcen gewachsener Strukturen??
Rigolen, künstlich angelegte Versickerungssysteme, sollen den Platz gegen Starkregen resilient machen, ein künstliches Verdunstungsfeld vor dem Flughafengebäude, vermutlich wartungsbedürftig, soll die „Schwammstadt“ abrunden – aber im gleichen Zug soll ein natürlich gewachsenes, großes Versickerungs- und zugleich Verdunstungssystem mit seinem riesigen Blattwerk unwiederbringlich beseitigt werden?
Auch für Menschen erfüllt die Hecke wichtige Funktionen.
Die Hecke schützt vor Wind, Feinstaub und Lärm, wirkt als Blendschutz im Verkehr, gliedert, entschleunigt und sichert ihn sogar. Der behaupteten, angeblich bestehenden Verkehrsgefährdung widerspricht die Unfallstatistik. Auch zu erneuernde Wasserleitungen verlaufen nach Einsicht der Pläne nicht direkt unter der Hecke, weshalb sie angeblich zu roden wäre.
Man stelle sich den Platz ohne die Hecke vor: Mit direktem Blick auf den stark befahrenen T-Damm. Blechlawinen,Verkehrslärm und -gestank statt Spatzengezwitscher. Entsteht dadurch eine verbesserte Aufenthaltsqualität auf den neu angelegten, tendenziell eher versiegelten Plätzen?
Dazu auch noch ohne die kleinen Vögel?
Deshalb muss die Hecke bleiben!