14/06/2026
Sojourner Truth wurde als Sklavin geboren, von ihrer grossen Liebe getrennt und zur Ehe mit einem anderen Mann gezwungen. Trotzdem, oder gerade deshalb, wurde sie zu einer der mächtigsten Stimmen für Menschenrechte des 19. Jahrhunderts.
Vor 175 Jahren stand sie an der Women's Rights Convention in Ohio auf und fragte: «Ain't I a Woman?» (“Bin ich etwa keine Frau?”). Als schwarze Frau und Abolitionistin machte sie laut, was auch noch heute von grosser Relevanz ist: Gleichstellung ist nicht für alle gleich. Feminismus, der nicht alle mitdenkt, ist keiner.
Migrantische FLINTAs bewegen sich in einem Spannungsfeld, das selten benannt wird: Die Ankunftsgesellschaft stellt Erwartungen an sie, an Integration, Anpassung, Eigenständigkeit. Gleichzeitig kommen Erwartungen aus der eigenen Familie oder Gemeinschaft an Loyalität, Tradition und Rolle. Dieses Spannungsfeld ist erdrückend. Umso wichtiger ist die Frage: Was möchtest du eigentlich?
Selbstbestimmung bedeutet nicht, sich zwischen Herkunft und Ankunft entscheiden zu müssen. Es bedeutet, gehört zu werden, ohne Verunglimpfung und ohne Verharmlosung, ohne dass die eigene Realität in eine vorgefertigte Geschichte gepresst wird. Ein würdevolles Leben als Individuum in einer Gesellschaft soll jeder Person möglich sein, auf dem gemeinsamen Boden der Menschenrechte, die nicht zur Diskussion stehen.
Heute, am feministischen Streiktag, erinnern wir uns an Sojourner Truth und an alle, deren Stimmen noch immer zu wenig Raum bekommen. Wir sprechen mit ihnen, nicht über sie.
“Wenn die erste Frau [...] stark genug war, die Welt ganz allein auf den Kopf zu stellen, so sollten wir Frauen gemeinsam doch fähig sein, sie wieder auf die Füsse zu stellen.”
Gemeinsam setzen wir uns seit 25 Jahren dafür ein.
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