Humus ist wichtigster Kohlenstoffspeicher
Die atmosphärischen Konzentrationen von Kohlendioxid, Methan und Stickstoffoxid sind so hoch wie seit 800.000 Jahren nicht mehr. Der Klimawandel hat bereits jetzt zu einem Anstieg der globalen
Durchschnittstemperatur um etwa 1,0°C gegenüber dem vorindustriellen Niveau geführt. Der weltweite Temperaturanstieg wird die im Pariser Klimaabkommen vereinbarte 1
,5°C-Marke schon
zwischen 2030 und 2052 erreichen. In den landwirtschaftlich genutzten Flächen in Deutschland sind etwa 2,4 Milliarden Tonnen Kohlenstoff gespeichert. Damit bevorraten die Böden mehr als doppelt so viel Kohlenstoff wie der gesamte Baumbestand in deutschen Wäldern und mehr als das Dreifache der CO2-Menge, die in ganz Deutschland pro Jahr freigesetzt wird. Welche Menge an Kohlenstoff gespeichert wird, hängt neben der Bodenart auch davon ab, wie eine Fläche genutzt wird. Während Ackerböden im Schnitt etwa 95 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar speichern, sind unter Dauergrünlandflächen durchschnittlich 181 Tonnen pro Hektar gebunden. Grünland auf trockengelegten Moorböden kann in den oberen zwei Metern sogar mehr als 1.000
Tonnen Kohlenstoff pro Hektar enthalten. Die entscheidende Substanz, die Kohlenstoff im Boden dauerhaft bindet, ist Humus. Wie viel Kohlenstoff ein Boden speichern kann, ist also von seinem Humusgehalt abhängig. Über die Art der Bewirtschaftung können Betriebe wiederum die Bildung von Humus beeinflussen. Neben der Funktion als Kohlenstoffspeicher bietet der Humus weitere
Vorteile für die Landwirtschaft. So verbessern hohe Gehalte das Wasserspeichervermögen eines Bodens, senken das Risiko für Erosion und ermöglichen stabilere und höhere Erträge. Bis 2050 sollen die Treibhausgasemissionen nach dem Willen der EU-Kommission auf netto Null gesenkt werden. Zur Erreichung dieser Ziele sind dramatische Umstellungen der Wirtschaft und der Landwirtschaft erforderlich. Um diese ambitionierten Klimaschutz-Ziele zu erreichen, muss nicht nur der Ausstoß von CO2 reduziert, sondern CO2 aktiv aus der Atmosphäre entnommen werden. Die technischen Voraussetzungen und das Knowhow dazu sind vorhanden. Jedoch braucht es ein Umdenken in der Bewirtschaftung der Böden und einen interdisziplinären Ansatz zwischen Landwirtschaft, Industrie, Politik und Kapitalmarkt.