14/04/2026
Bäumiges Styling
Neulich erreichte uns eine Anfrage, warum denn "die Bäume da" bis auf die Stöcke zurückgestutzt wurden. Das mitgeschickte Bild zeigte eine Weide, von der nur noch der Stamm zu sehen war – eine sogenannte Kopfweide.
Zugegeben, es sieht schon ein wenig brutal aus, wenn diese Bäume einen Millimeterschnitt verpasst bekommen – sehr einschneidend, könnte man sagen. Bei dieser Massnahme handelt es sich aber um eine alte Bewirtschaftungsform und Tradition.
Christian Müller, Leiter des Werkhofs in Rottenschwil, gibt dazu Auskunft:
Mit den Kopfweiden erhalten wir eine traditionelle und ökologisch wertvolle Nutzungsform von Weidenruten aufrecht. Mit dem regelmässigen, sorgfältigen Zurückschneiden erhalten die Weiden ihre typische Kopfform, wobei sich nicht alle Weidenarten eignen, um Kopfweiden heranzuziehen. Generell lässt sich sagen, dass sich langblättrige Weiden am besten bewährt haben.
Früher wurden diese Weiden jährlich zurückgeschnitten, um Rohmaterial für das Flechten von Körben zu gewinnen. Aus Gründen der Rationalisierung und auch weil die kurzen, dünnen Ruten zum "korben" nicht mehr gefragt sind, schneiden wir diese nun nur noch alle zwei bis drei Jahre zurück. In diesem Fall wird das Schnittgut dann für Faschinen (lange Rutenbündel) verwendet, welche zur Sicherung und Befestigung von Ufern oder des Gewässergrunds eingesetzt werden.
Die Oberfläche des "Weidenkopfs" mit vielen alten und neuen Triebstummeln bietet zahlreiche Versteck- und Brutmöglichkeiten für Insekten. Aber auch im freigelegten Holz nistet sich die eine oder andere holzabbauende Käferart, respektive deren Larve, ein.
Die Kopfweiden sind somit kulturhistorisch, landschaftlich, ökologisch und auch wirtschaftlich wertvolle Elemente.
Wenn Sie also beim nächsten Spaziergang eine Reihe von frisch gestutzten Weiden entdecken, sehen Sie nicht das Resultat eines radikalen Baumstylings sondern ein Beispiel dafür, wie Tradition, Naturschutz und Bewirtschaftung Hand in Hand gehen können.