15/10/2026
"Die Massaker geschahen nicht im Affekt. Einzig mit ihnen konnte das Regime seinen drohenden Kollaps noch hinauszögern. Selbstverständlich kann Reza Pahlavi für sich keine repräsentative Legitimität gegenüber allen Iraner behaupten. Weder kann er für jene sprechen, die loyal oder opportun gegenüber dem Regime sind, noch für jede einzelne Fraktion der Opposition. Doch ohne irgendeine (halb-)legale Oppositionsstruktur im Iran, die als Koordinatorin hätte fungieren können, waren in allen Provinzen Millionen von Iranern dem Aufruf von Reza Pahlavi zu Protesten am 8. und 9. Januar gefolgt. 47 Jahre, nachdem die Monarchie an den Krisen ihrer Tage gescheitert war, riefen sie im Zentrum und in der Peripherie nach einer Restauration der Pahlavi-Dynastie. Diese Realität anzuerkennen, hieße damit zu brechen, dass deutsche Projektionen darüber entscheiden, wonach der ›authentische‹ Iraner verlange und wonach nicht. Man erinnere sich nur, wie ein deutscher Korrespondent des ZDF nach dem misogynen Mord an Jina Amini von dem »Potenzial« raunte, »Reformen im Parlament zu diskutieren«, oder dass dem »Volkshelden« deutscher Projektionen: Ghasem Soleimani, noch »Kultstatus« nachgesagt wurde, als er von Iranern als »Ghasem Kotlet« verhöhnt wurde und die penetrante Märtyrerdekoration mit seinem Antlitz brannte. Der Furor gegen Reza Pahlavi ist eine weitere perfide Form jenes Revanchismus der Dey-Proteste, mit denen die Überlebenden der Massaker konfrontiert sind.“
Am 7. November soll Reza Pahlavi treuhänderisch für das »iranische Volk« den Freiheitspreis der Friedrich-Naumann-Stiftung entgegennehm...