18/04/2024
🏔️ Venter Skirunde von 11. bis 16. März 2024 🏔️
Die Venter Schirunde, auch „Haute Route der Ostalpen“ genannt, verläuft durch die imposante Bergwelt der Ötztaler Alpen und ist allen bekannten Schidurchquerungen im gesamten Alpenraum durchwegs ebenbürtig oder gar überlegen. Entlang der Route sorgen gut ausgestattete Schutzhütten mit reichhaltiger Verpflegung für das leibliche Wohl und angenehme Regenerationsmöglichkeit.
Am ersten Tag gehen wir, Christian, Karl-Heinz, Martin, Martina und ich, bei strahlendem Sonnenschein und milder Temperatur von Vent (1 896 m) zur Martin Busch Hütte (2 501 m). Den Versuch am Nachmittag auf den Sennkogel zu steigen, brechen wir unterhalb des Joches wegen Schneebrettgefahr ab.
Als einzige Gruppe erreichen wir am zweiten Tag den Similaun (3 599 m). Viel von starken Winden verblasener Neuschnee ist die Ursache, dass wir die Aufstiegsspur selbst anlegen müssen. Aufgrund der extremen Kälte besteht Erfrierungsgefahr im Gesicht und an den Händen.
Auch am dritten Tag bleibt uns nichts anderes übrig, als im dichten Nebel und bei Schneesturm den Weg von der Martin Busch Hütte zur Ötzi-Fundstelle am Tissenjoch und weiter zum Hauslabjoch selber zu suchen und zu spuren. Während eines Wetterfensters mit Sonnenschein und nachlassenden Windböen endet der Aufstieg zur Fineilspitze (3 514 m) an unüberwindbaren Wechten und im metertiefen Neuschnee am ausgesetzten Vorgipfel. Die Abfahrt über den Hochjochferner und der folgende Aufstieg zur Unterkunft „Schöne Aussicht“ (2 842 m), auch „Bella Vista“ genannt, gelingt problemlos.
Bei bestem Tourenwetter gehen wir am vierten Tag entlang der Schipiste zum „Hinteren Eis“ (3 269 m) hinauf und fahren hinter dem Grat zum Hintereisferner hinunter. Auf diesem spurt Christian im makellosen, unberührten Weiß den langen Weg übers Hintereisjoch. Erst nach gründlichem Überlegen und mit sehr großen Sicherheitsabständen wagen wir den Aufstieg durchs Matscher Wandl, einen mit Triebschnee gefüllten Steilhang. Als erste Gruppe seit mehreren Tagen erreichen wir über den exponierten Grat den Gipfel der Weißkugel (3 739 m). Nach der Rückkehr zum Schidepot nehmen wir die direkte Abfahrt durch extrem steiles Gelände zu den riesigen Flächen des Hintereisferners in Angriff. Von dort erscheint der Weg bis zum Hochjoch Hospitz (2 412 m) endlos weit.
Am fünften Tag dürfen wir bei schönem Wetter - das erste und einzige Mal während der ganzen Woche - einer gut angelegten Spur über den Kesselwandferner bis zum Fluchtkogel (3 497 m) folgen. Die Abfahrt zur Venagthütte (2 756 m) unterbrechen wir am Guslarferner für einen Abstecher auf die Kesselwandspitze (3 414 m).
Leider ist für den sechsten und letzten Tag unserer Durchquerung wieder wechselhaftes Wetter angesagt. Dichter Nebel, Schneefall und starker Wind werden zu unserem Glück von kurzzeitigen Aufhellungen unterbrochen, sodass wir auch die Petersenspitze (3 482 m) und die Wildspitze (3 768 m) erreichen. Unerwartet steil und schwierig gestaltet sich der Abstieg mit aufgebundenen Schiern, Steigeisen und Eispickel vom Mitterkarjoch bis zum Mitterkarferner. Danach fahren wir bei diffusem Licht hinunter nach Vent, wo wir unsere grandiose Schitour nach gut 75 Kilometern Wegstrecke und jeweils 6 800 Aufstiegs- und Abfahrtshöhenmetern mit Freude abschließen.
Extreme, rasch wechselnde, tief winterliche Wetterbedingungen haben unsere Tour zu einer Herausforderung, zu einem Abenteuer, zu einem ganz besonderen Erlebnis werden lassen. Zahlreiche Abfahrten über schöne Schihänge im frischen, unberührten Pulverschnee haben unsere Eindrücke bereichert. Nur das Durchhaltevermögen aller und die Bereitschaft von Christian und Martin im tiefen Neuschnee zu spuren und das Seil zu tragen, haben es ermöglicht unser Vorhaben planmäßig zu Ende zu bringen. Dafür danken wir den beiden ganz herzlich! Ein gemeinsames und gemütliches Abschlussessen während der Heimfahrt vervollständigt diese unvergessliche Bergerfahrung in einer äußerst harmonischen Truppe.
✍🏼Bericht: Josef Friedl