02/06/2026
Wenn Menschenrechte nicht gewahrt werden…
In Österreich ist das Recht auf Privatsphäre ein verfassungsmäßig verankertes Grundrecht, das in mehreren Gesetzen geregelt ist. Trotzdem haben Personenbetreuer:innen kaum Privatsphäre. Wir möchten im heutigen Beitrag einen Text einer Kollegin veröffentlichen, den sie zu diesem Thema geschrieben hat.
“Wir, die in der Personenbetreuung mit Wohnmöglichkeit arbeiten, stehen oft vor einem großen Problem: Wir haben keinen wirklich privaten Raum. Wir widmen unsere Zeit und unsere Energie den Menschen, die wir betreuen, damit sie Komfort und Würde haben — aber unsere eigene Würde wird manchmal völlig ignoriert.
Eines der Dinge, die mich am meisten belastet haben, ist, dass jederzeit jemand in mein Zimmer kommen kann, ohne anzuklopfen, ohne um Erlaubnis zu fragen, ohne Rücksicht darauf, dass ich dort wohne. Klient:innen oder sogar ihre Angehörige betreten das Zimmer, als wäre es einfach ein Abstellraum oder ein neutraler Teil des Hauses. Nicht überall passiert das — aber es passiert, und häufiger, als es sollte.
Und es gibt noch etwas, das die Situation zusätzlich erschwert: In meinem Zimmer befinden sich oft Schränke mit Kleidung oder persönlichen Gegenständen der Klient:innen. Das bedeutet, dass der Raum, in dem ich mich ausruhen und eigentlich zuhause fühlen sollte, gleichzeitig ein Lagerplatz für Dinge ist, die mir nicht gehören. Dadurch gibt es immer einen Grund, einen Vorwand, damit jemand hereinkommt. Ich kann die Tür hinter mir nie wirklich schließen, ich kann nie ganz abschalten und mich in dem mir zugewiesenen Raum nicht sicher fühlen.
Dabei ist das Recht auf Privatsphäre kein Privileg — es ist ein grundlegendes Menschenrecht, unabhängig davon, welchen Beruf jemand ausübt oder wo man vorübergehend lebt. Das österreichische Recht, einschließlich arbeitsrechtlicher Vorschriften und des Zivilrechts, erkennt das Recht auf Würde und Schutz der Privatsphäre an. Das Betreten des persönlichen Raumes ohne Zustimmung verletzt diese Prinzipien — besonders dann, wenn es regelmäßig geschieht.
Das ist ein Missbrauch — nämlich der Missbrauch durch Verletzung der Privatsphäre. Dass dies in einem beruflichen Umfeld geschieht, macht es nicht weniger schlimm, sondern im Gegenteil: Es wird zu einer subtilen Form Gewalt, die nach und nach das Selbstwertgefühl, das Wohlbefinden und die psychische Gesundheit der Betreuungskräfte zerstört. Die Dinge beim Namen zu nennen, ist der erste Schritt zur Veränderung.”
Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht?
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