Plattform Johann Gruber

Plattform Johann Gruber Anliegen des Vereins ist es, dem Verdrängen und Vergessen durch eine öffentliche Erinnerungskultur Wi Für den Papa Gruber Kreis der Pfarre St.

Dr. Johann Gruber war auf dem ersten Blick kein „außergewöhnlicher Priester“, schon gar kein „Frömmler“ und auch kein Missionar. Auf manche seiner kirchlichen Zeitgenossen wirkte er bisweilen sogar als eher schwierige und streitbare Persönlichkeit. Schon als Kooperator galt er als Unangepasster - ausgedehnte Gebetszeiten und Liturgien waren nicht seine Sache, wodurch er auch in Konflikt mit den Sc

hwestern geriet, mit denen er nicht nur als vorgesetzter Direktor, sondern auch als deren Hausgeistlicher verbunden war. Auch seine ablehnende Haltung gegen den Nationalsozialismus hatte er nie verheimlicht, sondern sich unmissverständlich als österreichischer Patriot deklariert und gegen die braune Herrschaft ausgesprochen. Es verwundert nicht, dass schon kurz nach dem „Anschluss“ 1938 eine Anzeige gegen Gruber bei der Gestapo einging, in der ihm unter fadenscheiniger Beweisführung unsittliches Verhalten gegen seine Schützlinge vorgeworfen wurde. Ein Schauprozess führte trotz engagierter Verteidigung durch einen befreundeten Rechtsanwalt und durch den Angeklagten selbst zu dessen Verurteilung.
Über Inhaftierungen in der Strafanstalt Garsten und das KZ Dachau landete Gruber schließlich im August 1940 im gefürchteten Konzentrationslager Gusen, das wegen der herrschenden Brutalität als „Hölle aller Höllen“ galt. Anfangs wurde er dem Krankenrevier als Pfleger zugeteilt, wo es ihm gelang, heimlich Medikamente zu organisieren. Als man bei Grabungsarbeiten für eine Verbindungsbahn zwischen den Steinbrüchen Gusen und dem Bahnhof St. Georgen auf archäologische Funde stieß, wurde Gruber zum Kapo des Ausgrabungskommandos bestellt. Diese Funktion brachte eine gewisse Bewegungsfreiheit mit sich, sodass es ihm gelang, Kontakte nach außen zu knüpfen und diese zum Aufbau eines illegalen Hilfswerkes für seine geschundenen Kameraden zu nützen. Auf diese Wiese organisierte der unerschrockene Gruber über ausgezeichnete lagerinterne Kontakte zusätzliche Suppenrationen für besonders geschwächte Häftlinge und verhalf so vielen zum Überleben. Die konkrete Hilfe und die menschliche Zuwendung, die er seinen hilfsbedürftigen Kameraden angedeihen ließ, brachte ihm den liebevollen Namen „Papa Gruber“ ein. Gemeinsam mit inhaftierten polnischen Lehrern organisierte er überdies eine heimliche Lagerschule für junge Häftlinge, um ihren Lebenswillen inmitten des grausam-stumpfsinnigen Alltags zu stärken. Als das geheime Hilfswerk im Frühling 1944 aufflog, musste der Priester tagelange grausame Folterungen im Bunker der Gusener Kommandanturgebäudes ertragen und wurde am 7. April 1944, einem Karfreitag, vom Lagerkommandanten Seidler ermordet. Mit Grubers gewaltsamem Tod mochte man zwar seiner physischer Existenz ein Ende gemacht haben, die Erinnerung an seine unglaublich mutige Haltung, einem unmenschlichen System Widerstand zu leisten und sich selbst unter schwierigsten äußeren Umständen den Schwachen, Ausgegrenzten und Hilfsbedürftigen zuzuwenden, konnte aber nicht ausgelöscht werden.

Über Initiative des Papa Gruber Kreises der Pfarre St. Georgen/Gusen beantragte Rechtsanwalt Dr. Moringer im Namen von Gisela Haslinger, einer entfernten Verwandten Grubers, die Aufhebung des Urteils. Er weist auf das 2009 in Kraft getretene Aufhebungs- und Rehabilitationsgesetz hin, das auch die Aufhebung sogenannter Mischurteile ermöglichte, wenn auch die Verurteilung wegen eines nicht politischen Deliktes Ausdruck nationalsozialistischen Unrechtes war. Georgen/Gusen ist die vollständige Rehabilitierung Johann Grubers von großer Bedeutung. "Wir haben die Aufhebung des Urteils initiiert, weil Gruber selber sich gegen dieses Urteil vehement zur Wehr gesetzt hat. Nun, 76 Jahre später, erfährt er die ersehnte vollständige Rehabilitation." so der Leiter des Papa Gruber Kreises, Dr. Christoph Freudenthaler. Dieser Beschluss sei nicht nur für die Person Johann Gruber bedeutsam. "Er ist auch ein Trost für die Nachkommen all der `namenlosen` Menschen, die durch die Unrechtsprechung der Naziherrschaft unsägliches Leid erdulden mussten. Das langwierige Verfahren zeigt, wie wichtig es ist, dran zu bleiben, Geduld und Zähigkeit zu üben, um die Defizite des Nachkriegs-Österreichs im Umgang mit nationalsozialistischem Unrecht aufzuheben." Der Vorsitzende des Vereins Plattform Johann Gruber betont die Aktualität des Urteils, wenn er darlegt, dass sich Recht damals wie heute nicht verbiegen lässt. Insbesondere in der aktuellen Diskussion etwa über das Asylrecht hält Freudenthaler dies für wichtig:
"Im Sinne Johann Grubers geht es gerade heute um Haltungen von Toleranz, Menschlichkeit und Fürsorge über die Grenzen von Religionszugehörigkeit und etwaigen weltanschaulichen Lagern hinaus."

Tolle Ausstellung im Haus der Erinnerung. Jeden Freitag von 17:00 - 18:00 Uhr kostenlose Begleitung.
14/02/2026

Tolle Ausstellung im Haus der Erinnerung. Jeden Freitag von 17:00 - 18:00 Uhr kostenlose Begleitung.

Am 7. April, jährt sich Johann Grubers Todestag zum 81. Mal.Bereits heute gedachten 30 Personen im Rahmen eines Themenru...
05/04/2025

Am 7. April, jährt sich Johann Grubers Todestag zum 81. Mal.
Bereits heute gedachten 30 Personen im Rahmen eines Themenrundgangs dem in Gusen ermordeten Priester und Pädagogen. Die unermüdlich widerständige Haltung Grubers kann uns heute in politisch verunsichernden Zeiten wegweisend sein.
Wir laden ein, das Leben von Johann Gruber durch das Anzünden einer Kerze am 7.4. zu würdigen.

Letztens saßen Julia, Bernhard und Marlene vor der Kamera und haben von Johann Gruber erzählt. Im Rahmen der Ausstellung...
22/01/2025

Letztens saßen Julia, Bernhard und Marlene vor der Kamera und haben von Johann Gruber erzählt. Im Rahmen der Ausstellung zu Archäologie in Gusen werden einzelne historische Personen in kurzen Filmen vorgestellt - darunter auch Johann Gruber. Die Ausstellung wird im Herbst 2025 im Haus der Erinnerung gezeigt. Bis dahin muss noch viel gemacht werden - wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit NHM, Bew.Reg., GMC, Ritter.
Danke an Daniel für die gute Zusammenarbeit.

Vielen Dank für die tolle Berichterstattung zum Gedenken an den 80 Todestag von Johann Gruber an Eckhart Herbe:
09/04/2024

Vielen Dank für die tolle Berichterstattung zum Gedenken an den 80 Todestag von Johann Gruber an Eckhart Herbe:

Im Rahmen eines würdigen und menschlich berührenden, ebenso aber auch sehr informativen Gedenktags, erinnerten der Verein Plattform Johann Gruber und der gleichnamige Fachausschuss der Pfarre St.

Adresse

Linzer Straße 8
Sankt Georgen An Der Gusen
4222

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