01/10/2025
Während wir uns Yom Kippur nähern, dem biblischen Versöhnungstag, werden die Straßen Jerusalems bald verstummen. Der sonst so belebte Mahane-Yehuda-Markt an der Jaffa-Straße wird geschlossen sein. Niemand wird einkaufen, kein Verkehr wird sich bewegen, alle Kinder werden von der Schule zu Hause sein, alle Restaurants werden schließen, und alle Fernsehsender werden ihre Sendungen unterbrechen.
Yom Kippur ist der heiligste Tag im hebräischen Kalender. In ganz Israel werden jüdische Familien in weißen Kleidern zu ihren Synagogen gehen, bereit, sich vor dem Herrn zu demütigen.
Yom Kippur ist eine Zeit des Fastens und der Selbstreflexion, um Gottes Vergebung zu erbitten und Versöhnung mit denen zu suchen, die wir verletzt haben. Das hebräische Wort für Buße, תשובה (Teshuva), bedeutet wörtlich „zurückkehren“ oder „umkehren“. Das Stammwort שוב (shuv) heißt „umkehren“ oder „zurückkehren“ – so wird dieser Tag zu einer tiefgreifenden Erinnerung daran, sich von der Sünde abzuwenden und das neue Jahr mit reinem Herzen und einem neuen Anfang zu beginnen.
Das dritte Buch Mose beschreibt diesen heiligen Tag wie folgt:
„Das soll euch eine ewige Ordnung sein: Am zehnten Tag des siebten Monats sollt ihr euch selbst demütigen und keinerlei Arbeit tun, weder der Einheimische noch der Fremde, der unter euch lebt. Denn an diesem Tag erfolgt für euch die Sühnung, um euch zu reinigen. Von allen euren Sünden werdet ihr rein sein vor dem HERRN. Es ist ein feierlicher Sabbat für euch, und ihr sollt euch selbst demütigen. Es ist eine ewige Ordnung.“
(3. Mose 16,29–31)
Die Israelis begehen Yom Kippur kurz vor dem zweiten Jahrestag der Massenterroranschläge der Hamas am 7. Oktober. Die Wunden dieses andauernden Konflikts schmerzen weiterhin, besonders da rund 50 Israelis noch immer in Gaza als Geiseln gehalten werden. Die Nation möchte das neue Jahr mit einem reinen Blatt beginnen und braucht unsere Gebete, um sich zu erheben und voranzuschreiten.
Dieser jüdische Feiertag ist auch für uns Christen von Bedeutung. Der Versöhnungstag ist nicht nur eine Tradition des Alten Testaments, sondern ein Vorausblick auf die vollkommene Versöhnung durch den Messias, Yeshua. Er ist die Erfüllung dessen, worauf Yom Kippur hinweist – die vollkommene Sühne für unsere Sünden,
„ein einziges Mal geopfert, um die Sünden vieler auf sich zu nehmen“ (Hebräer 9,28). In Ihm finden wir Heilung für unsere tiefsten Wunden. Yeshua ist jetzt unser Hoherpriester, für uns jeden Tag zugänglich – nicht nur einmal im Jahr. Durch Ihn können wir
„mit Zuversicht zum Thron der Gnade kommen“ (Hebräer 4,16), im Wissen, dass wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zur rechtzeitigen Hilfe.
Wenn wir diesen heiligen Versöhnungstag betreten, diese „Zeit der Umkehr“, dann möge nicht nur unsere Schuld von Scharlach zu Schneeweiß gewandelt werden, sondern auch Israels Trauer sich in Freude verwandeln, und ihr Klagen in Jubel vor dem Herrn. Möge das Volk Israel Heilung und Wiederherstellung finden. Und möge auch jeder von uns Gottes erlösende Gnade erfahren.
Segensgrüße aus Jerusalem,
Dr. Jürgen Bühler
Präsident der ICEJ