09/09/2026
Sommergespräch mit Herbert Kickl: Empörung ist noch kein Regierungsprogramm
Kickl blieb im ORF-Sommergespräch ganz in seiner Komfortzone: Angriff, Zuspitzung, Opferrolle. Statt konkrete Regierungsfähigkeit zu beweisen, setzte er auf das bekannte Muster: gegen „die da oben“, gegen Medien, gegen Migration, gegen Klimapolitik. Das mobilisiert, ersetzt aber kein tragfähiges Programm.
Auffällig war, dass Kickl Stärke demonstrieren wollte, aber dort auswich, wo es unbequem wurde: bei realistischen Lösungen, bei internationalen Verflechtungen der FPÖ und bei der Frage, wie seine harte Sprache Österreich tatsächlich besser machen soll. Der Begriff „Remigration“ wurde von ihm verteidigt, obwohl er politisch bewusst scharf und gesellschaftlich spaltend eingesetzt wird.
Sein Auftritt war professionell im Sinne der Inszenierung, aber schwach im Sinne staatspolitischer Verantwortung. Wer Kanzler werden will, muss mehr liefern als Empörung, Feindbilder und Schlagworte. Kickl spricht jene an, die sich nicht gehört fühlen. Aber er beantwortet kaum, wie aus Wut gute Politik werden soll.
Fazit: Das Sommergespräch zeigte keinen neuen Kickl. Es zeigte einen Oppositionspolitiker, der den Protest perfekt beherrscht – aber weiterhin offenlässt, ob er auch das Land verantwortungsvoll führen könnte.