19/07/2023
Unsere Bergrettungsmitglieder hatten gestern einen ungewöhnlichen Einsatz zu bewältigen.
Während eines heftigen Unwetters, das in Tirol auf mehreren Fronten ganze Wälder verwüstete, ereignete sich eine Entgleisung im Bereich der zweiten Sektion der Gondelbahn Schlick 2000.
Mehrere Alarmierungen folgten:
Infolge des extremen Unwetters wurden wir kurz nach dem Durchzug der ersten Front zu einem Unterstützungseinsatz gerufen. Unsere Aufgabe bestand darin, zwischen den umgestürzten Bäumen im Bereich des Scheibenweges nach Wanderern Ausschau zu halten und diese bei Bedarf zu evakuieren. Während unsere erste Einsatzmannschaft diesen Auftrag bearbeitete, erfolgte die Alarmierung im Bereich der stillgelegten Gondelbahn.
Zusätzliche Einsatzkräfte notwendig:
Es wurde schnell klar, dass für die Abwicklung dieses Einsatzes zahlreiche weitere Einsatzkräfte erforderlich waren. Während unser Einsatzleiter sich einen Überblick verschaffte und Meldungen über abgestürzte Gondeln mit potenziell Verletzten eintrafen, wurden unsere Kolleg:innen der BR Neustift, Axams und Steinach sowie der Notarzthubschrauber Christophorus 1, die Polizei-Libelle, die Sondereinsatzgruppe des Rotes Kreuzes mit einem Kriseninterventionsteam und Notärzten, sowie die Feuerwehr Fulpmes nachalarmiert. Obwohl die meisten dieser Einsatzgruppen bereits selbst im Einsatz waren, trafen die ersten Hubschrauber und Mannschaften nach kurzer Zeit am Einsatzort ein.
Erschwerte Bedingungen:
Das hereinbrechende Unwetter in mehreren Fronten machte es sehr schwierig, die Gefahren für die Rettungsteams abzuschätzen. Erste Shuttelflüge mit Bergrettern am Tau mussten von den Piloten wegen starker Windböen abgebrochen werden. Straßen und Forstwege mussten von Mitarbeitern der Schlick 2000 mit Motorsägen und Baggern von umgestürzten Bäumen befreit werden. Ein Fußmarsch für die Rettungsteams mit schweren Bergrucksäcken wäre nicht nur extrem anstrengend, sondern wegen der umgestürzten Bäume auch hochriskant gewesen.
Priorisierung der Aufgaben:
Höchste Priorität hatte natürlich die Vorrückung eines Rettungstrupps zur abgestürzten Gondel, um möglicherweise Verletzte zu versorgen und zu bergen. Nach einem beschwerlichen Aufstieg erreichten unsere "Alpin Medics" gemeinsam mit dem Team des NAH C1 den Unfallort und konnten feststellen, dass sich glücklicherweise niemand in dieser Gondel befand. Während der Notarzthubschrauber wegen des erneut schlechten Wetters landen musste, konnte dieses Medic-Team den anderen Teams beitreten und auf den mittlerweile geräumten Forstwegen zu den Liftstützen und weiter zu den Gondeln aufsteigen.
Verletzte Retter sind keine Hilfe:
Während des gesamten Einsatzes hatte die Sicherheit der Einsatzkräfte und der Gäste in den Gondeln oberste Priorität. Es musste nicht nur der sichere Abtransport der geborgenen Personen sichergestellt werden, sondern auch geklärt werden, ob eine Fahrt auf dem Tragseil mit dem Bergematerial möglich ist. Diese Sicherheitsmaßnahmen bedeuten für die Einsatzleiter und Betriebsleiter ebenso viel Verantwortung wie sie Zeit in Anspruch nehmen. Auch wenn dieser spezielle Notfall von uns mehrmals im Jahr geübt wird und entsprechende Sicherheitskonzepte vorliegen, erfordert der Ernstfall auch ein hohes Maß an Flexibilität, um sich jeder unvorhersehbaren Gefahr stellen zu können.
Dank an alle beteiligten Organisationen und Einsatzkräfte:
Ein Einsatz dieser Größenordnung erfordert eine extrem hohe Disziplin von allen Beteiligten. "Erst schießen, dann fragen" funktioniert hier nicht! Nur eine koordinierte Zusammenarbeit aller Einsatzleiter mit ihren Einsatzkräften und der Unterstützung der Betriebsleiter mit ihren erfahrenen Mitarbeitern kann in solch einem Fall zum Erfolg führen. Dieser Erfolg zeigt sich darin, dass es keine weiteren Verletzten gab und alle - Gäste wie Retter - sicher zu ihren Familien zurückkehren konnten.
Wir möchten allen beteiligten Einsatzkräften und Blaulichtorganisationen, die uns bei diesem Einsatz unterstützt haben, unseren herzlichen Dank aussprechen.